Streuner-Ratgeber für tierfreundliche Urlauber in der Türkei

Für viele Touristen in der Türkei und in anderen südlichen Ferienregionen gehören die streunenden Katzen und Hunde zum Urlaub dazu. So manche Wurstscheibe vom Frühstücksbuffet und übrig gebliebene Stückchen vom abendlichen Braten verschwinden klammheimlich in Plastikbeuteln und werden freudig an den Lieblingsstreuner verfüttert. Die Tiere sichern sich nicht selten durch diese Fütterung das Überleben und finden sich pünktlich nach dem Frühstück oder Abendessen bei „ihrem“ Urlauber ein. Naht dann das Ende der Ferien, bricht so manches Menschenherz, wenn die selbst getaufte Mimi, Susi oder Leo einfach zurückgelassen werden muss.

Noch viel schwieriger ist es, wenn man verletzte Tiere oder Welpen findet. Viele tierliebe Touristen möchten gefundene, kranke oder anhänglich gewordene Tiere mit nach Hause nehmen. Das ist für Tier und Mensch in den seltensten Fällen eine wirklich gute Lösung. Wir möchten Ihnen mit diesem Ratgeber helfen, im Umgang mit aufgefundenen und hilflosen Streunern richtig zu handeln.

Braucht dieses Tier meine Hilfe?

Im Grunde benötigt jeder Streuner in der Türkei Ihre Hilfe, aber auf ganz unterschiedliche Weise. Erwachsene oder halbwüchsige Streuner, die selbst für sich sorgen können, betteln kommen und sonst ihrer Wege gehen, freuen sich über Futter und ein bisschen Zuwendung. Herrenlose Katzen und Hunde ernähren sich hauptsächlich von Abfällen und haben einen kampferprobten Magen.

Fast alle Nahrungsmittel, die wir Menschen essen, können auch einen Hund satt machen. Katzen sind allerdings etwas wählerischer.

Es gibt einige wenige Nahrungsmittel, die Sie aber keinesfalls verfüttern sollten:

  • Gekochte oder gegrillte Knochen (sind für Hunde unverdaulich und können zu Darmverschlüssen und so zum Tod führen),
  • Zwiebeln (unter Umständen für Hunde giftig),
  • Schokolade (für Hunde nicht geeignet),
  • stark gewürzte oder scharfe Nahrungsmittel.

Katzen können Sie mit Wurst, Fleisch und Fisch glücklich machen, wobei man sehr salzige Wurst vermeiden sollte. Bitte geben Sie den Katzen keine Milch!

Wenn Sie sicher gehen möchten, dann kaufen Sie einfach normales Tierfutter. In jeder größeren Stadt der Türkei finden Sie entsprechende Geschäfte und auch der Mini- oder Supermarkt um die Ecke führt meistens Dosen- und Trockenfutter für Hunde und Katzen.

Von Hotelbesitzern wird es verständlicherweise nicht gern gesehen, wenn Streuner „angefüttert“ werden. Deshalb ist es günstiger, etwas abseits gelegene Futterplätze aufzusuchen. Ein selbständiger Streuner benötigt sonst keine direkte Hilfe. Er führt sein eigenes Leben und sein Hauptproblem ist Hunger. Lassen Sie sich nicht von dem scheinbar kranken Aussehen mancher Streuner täuschen. Wir sind in Deutschland den Anblick wohlgenährter, gepflegter und parasitenfreier Katzen und Hunde gewöhnt, deshalb erscheinen uns die Streuner oft als krank, obwohl sie einfach nur so aussehen, wie ein frei oder wild lebendes Tier halt aussieht. Flöhe und Zecken, ein nicht ganz sauberer Schlafplatz, alte, verheilte Verletzungen und viel Hunger zeichnen ein Tier, obwohl es trotzdem gut zurechtkommt (in der Saison!).

Diesen Streunern helfen Sie am wirkungsvollsten, wenn Sie die Tierschützer/Tierheime in der Türkei und Care-4-life e.V. unterstützen, die u. a. dafür sorgen, dass Streuner schonend kastriert werden, um die Population einzudämmen. Die Tierschützer unterhalten auch feste Futterplätze, die den Tieren helfen, außerhalb der Saison zu überleben.

Die Tierschützer in der Türkei sind auf ihre Hilfe angewiesen!

Sie können die Arbeit der Tierschützer in der Türkei unterstützen, indem Sie z. B. eine Tierpatenschaft übernehmen oder Mitglied bei Care-4-life e.V. werden

Wenn Sie ein Tier finden, das offensichtlich krank oder verletzt ist und tierärztliche Behandlung benötigt, wenden Sie sich bitte an eine der unter

Ansprechpartner angegebenen Adressen, oder suchen Sie einen örtlichen Tierarzt oder ein örtliches Tierheim auf.

Welpen

Das Welpenelend in der Türkei ist unermesslich. Die einzige Möglichkeit, dagegen anzugehen, sind Kastrationen. Touristen, die Katzen- oder Hundewelpen finden, sind fast immer gerührt von diesen süßen Babys.

Nehmen Sie nie Welpen vom säugenden Muttertier weg, auch wenn sie schon recht eigenständig aussehen und herumlaufen. Die Antikörper der Muttermilch sind überlebenswichtig für die Kleinen.

Wenn Sie ausgesetzte Welpen finden, wenden Sie sich bitte an einen der Tierschutzvereine oder Tierheime. Sie müssen unter Umständen damit rechnen, dass Sie mit den Welpen abgewiesen werden, wenn die Kapazitäten der Tierschützer überlastet sind. Bitte bedenken Sie in diesem Fall, dass die Tierschützer und Tierheime vernünftig und verantwortungsvoll handeln! Warten Sie beim Fund eines Wurfes bitte erst einige Stunden ab, ob sich die Mutter der Kleinen einfindet. Welpen, die zum Sterben von Menschen ausgesetzt wurden, befinden sich in der Regel in Behältnissen (Kartons, Tüten) oder im Müll.

Geben Sie den Babys keinesfalls Kuhmilch. Welpen, die noch so klein sind, dass sie die Flasche brauchen, geben Sie besser in erfahrene Hände. Größere Welpen können zerdrücktes Dosenfutter oder eingeweichtes Trockenfutter bekommen. Wenn schon Zähnchen da sind, können die Welpen alles fressen, was auch große Hunde fressen.

Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass die meisten Tierbabys, die ohne Mutter aufgefunden werden, trotz aller Bemühungen der Tierschützer, Tiereime und Tierärzte ihre ersten Lebenswochen nicht überstehen. Der Mangel an Nahrung, Muttermilch, Mutterliebe und Wärme macht sie schwach und ihre Abwehrkräfte gegenüber Krankheiten sind in so zartem Alter noch gar nicht ausgebildet.

Ich möchte diesen Hund/diese Katze behalten

Begegnet Ihnen in der Türkei ein Streuner, in den Sie sich verlieben und den Sie kurz entschlossen mit nach Hause nehmen wollen, dann machen Sie sich bitte folgende Punkte bewusst:

  • Wenn Sie einen Streuner mit nach Deutschland nehmen, dann übernehmen Sie damit die volle Verantwortung für das Wohlergehen des Tieres und alles, was das Tier tut. Es ist nicht so, dass Sie dieses Tier bei eventuellen Schwierigkeiten einfach dem Tierschutz in Deutschland übergeben können. Tierheime in Deutschland haben selten Plätze frei, schon gar nicht für Hunde oder Katzen, die aufgrund irgendwelcher Probleme schwer vermittelbar sind oder aus dem Ausland kommen.
  • Streuner sind meistens nicht stubenrein und müssen noch lernen, wo sie ihr Geschäft machen dürfen und wo nicht. Für manchen erwachsenen Hund ist das sehr schwer und kann Wochen bis Monate dauern.
  • Es kann gut sein, dass das Tier an einer oder mehreren Krankheiten leidet. Sie müssen bereit sein, in Deutschland die Kosten der Behandlungen zu tragen.
  • Die Einreisebestimmungen nach Deutschland schreiben für Hunde und Katzen den Nachweis einer Tollwutimpfung, einer Antikörper-Bestimmung, Schutzimpfung und Parasitenbehandlung sowie die Kennzeichnung durch einen Mikro-Chip vor.
  • Sie müssen die Mitnahme eines Tieres im Voraus bei Ihrer Fluggesellschaft anmelden. Es kann sein, dass die Gesellschaft sich weigert, den Hund oder die Katze mitzunehmen. In der Regel dürfen Tiere über 7 kg nicht im Passagierraum mitgenommen werden. Das Tier benötigt eine flugtaugliche Box, die so groß ist, dass es darin bequem aufrecht stehen und sich darin umdrehen kann (Normvorschriften). Auch im Passagierraum muss das Tier in einem geeigneten Behältnis untergebracht sein und darf nicht frei laufen. Für den Transport per Flug im Frachtraum muss der Hund ein Beruhigungsmittel bekommen, das in der Dosierung genau auf ihn abgestimmt ist. Ein Frachtraum-Flug ohne Beruhigungsmittel ist Tierquälerei!
  • Falls das Tier gesundheitlich irgendwie auffällig ist, kann es sein, dass es am Zielflughafen vom zuständigen Veterinärbeauftragten in Quarantäne gesetzt wird.
  • Ihr Alltag in Deutschland wird sich mit einem Tier komplett ändern. Kein Hund sollte täglich mehr als vier Stunden allein bleiben und jeder Hund muss täglich mehrmals nach draußen und 1-3 Stunden spazieren gehen.
  • Wir bitten um Beachtung unserer Seite “Flugpatenschaft” – Einreisestimmungen aus dem Drittland Türkei.

Wenn Sie also Ihr Herz an einen Streuner verlieren, dann setzen Sie mit einem unserer Ansprechpartner in Verbindung oder gehen Sie zu einem der städtischen Tierheime oder anderen in der Türkei tätigen Tierschutzvereinen.

Sie werden dort gut beraten und es wird Ihnen geholfen, den Hund/die Katze legal und auf bestem Wege für alle Beteiligten zu Ihrem Familienmitglied werden zu lassen.
Sicher müssen Sie dafür erst ohne Hund/Katze nach Hause fliegen und können ihn erst einige Wochen später in Deutschland in Empfang nehmen. Lesen Sie hierzu bitte unsere Infos unter

“Flugpatenschaft” – Einreisestimmungen aus dem Drittland Türkei.

Sozialverhalten

Die vielen tausend Streunerhunde in der Türkei leben in Verbänden. Man kann sicherlich nicht von natürlichem Rudelverhalten reden, da die Umstände in der Türkei für ihr Leben und Überleben von vielen anderen unnatürlichen Faktoren abhängen, aber die Tiere haben durch ihr enges Zusammenleben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten.

In den touristisch intensiv genutzten Gebieten werden die Streunerhunde auch von den Einheimischen geduldet; man hat schnell erkannt, dass viele Besucher ein mitunter sehr herzliches und emotionales Verhältnis zu Hunden/Katzen haben. So lässt man dort die Hunde/Katzen gewähren – bis die Saison vorbei ist …

Die Streuner sind von den Menschen abhängig, sie ernähren sich u.a. von den gigantischen Abfallmengen der Tourismusindustrie und werden von vielen Besuchern auch gefüttert. Sie lernen schon im Welpenalter die Rolle des Menschen als Futterspender kennen.

Schattenseiten

Leider gibt es immer noch viel zu viele Hunde, die ihr Dasein an einer kurzen Kette oder unter unwürdigsten Verhältnissen fristen. Streuner, die negative Erfahrungen mit Menschen oder Situationen, in denen Menschen beteiligt waren, gemacht haben, reagieren mit Angst, Unsicherheit oder Scheu.

Warum Auslandshunde so beliebt sind

Grundsätzlich sind die Hunde sehr gut sozialisiert, da sie schon als Welpen Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen, anderen Hunden, Katzen, etc. haben; sie werden früh mit sehr vielfältigen Umweltreizen konfrontiert.

Die Hunde sind den Menschen gegenüber aufgeschlossen. Werden sie gut behandelt, revanchieren sie sich mit einer starken Anhänglichkeit.

Grundsätzlich sind die Hunde sehr gut sozialisiert, da sie schon als Welpen Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen, anderen Hunden, Katzen, etc. haben; sie werden früh mit sehr vielfältigen Umweltreizen konfrontiert.

Die Hunde sind den Menschen gegenüber aufgeschlossen. Werden sie gut behandelt, revanchieren sie sich mit einer starken Anhänglichkeit.

Streunerhunde sind Überlebenskünstler. In den Rudeln kommt es zu erstaunlich differenzierten Verhaltensweisen. Aggression ist selten zu finden, denn Hunde, die sich anderen Hunden gegenüber aggressiv verhalten, haben nur schlechte Überlebenschancen.
Das bedeutet aber auch, dass die Hunde bei uns besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Die Hunde lernen schneller, brauchen aber mehr Zuwendung, Aufgaben und Beschäftigungen, da ansonsten die Gefahr von Langeweile mit den daraus resultierenden Fehlverhalten erhöht ist.

Das Hundeleben in der Türkei ist hart. Nicht nur die Massen an Futterneidern sondern auch die harten klimatischen Bedingungen lassen nur die widerstandsfähigen Hunde überleben. Auslandshunde sind robust. Man sollte die Gefahr der typischen südeuropäischen Infektionskrankheiten aber niemals unterschätzen und daher nur Hunde nach Deutschland einführen, die tierärztlich korrekt überprüft wurden.
Die genannten Punkte gelten natürlich auch für viele andere südliche Länder. Nicht nur türkische Hunde sind gut sozialisiert. Ähnlich gute Voraussetzungen finden Sie auch bei Hunden in Griechenland, Spanien, von den kanarischen Inseln und den vielen andern Tierschutzprojekten im südeuropäischen Ausland.

Wenn Sie Fragen haben oder weitere Informationen zu türkischen Streunertieren wünschen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!


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