10.03.2015

Heidi, ein Hundemädchen mit ganz viel Recht auf Leben ...
Obwohl genau dieses bereits besiegelt schien, es letztlich nur noch der Tod durch Euthanasie sein sollte, der auf dieses Hundemädchen wartete, entschied das Schicksal wie so oft in eine andere Richtung! 

Die ganze Geschichte:

Als es um Heidis Leben ging, befand sind unsere Vorsitzende auf einer Tierschutzreise in der Türkei. Eine der Tierpflegerinnen aus dem städtischen Tierheim Antalya meldete sich telefonisch, mit der Bitte sie solle doch noch an diesem Tag ins Tierheim kommen. Dort sei ein bissiger Terrier, der eingeschläfert werden sollte. Da wir dieses Tierheim seit Jahren unterstützen, auch und gerade im Umgang mit Hunden, konnte es im Grunde nur ein Pitbulltrerrier sein, um den es sich hier handeln muss. Alles andere wäre nach all den Schulungen dort nicht zu erklären gewesen. Dort angekommen ging es für unseren Vorstand zuerst zu den Veterinären des Tierheims, da diese bereits sehnsüchtig auf eine Spende an Operationsmaterial aus Deutschland warteten, welche wir im Gepäck hatten. Bereits kurz daraufhin erschien im Operationssaal eine weinende Tierpflegerin um uns mitzuteilen, dass es wohl für diesen Hund keine Chance gäbe, da er wild um sich beiße und so keinen Pflegeplatz in einer privaten Pflegestelle finden könne. Als unser Vorstand darauf hin etwas erstaunt darüber das Pitpullterrier auf Pflegestellen gehen sollten, mit der verzweifelten Tierpflegerin am Zwinger ankam, standen weitere Pfleger, bewaffnet mit ihren IPhones vor dem Zwinger. Wohl um zu dokumentieren wo ihr Fehler lag, sollte unser Vorstand diesen Hund ohne weites anfassen können. Vielleicht wollten sie aber einfach auch nur einmal Zeuge sein, wie auch wir von einem Hund gebissen werden:-)) Bereits an unzähligen Beispielen davor, konnten den Tierpflegern zeigen, dass ein bestimmter Hund nicht Böse ist, vielmehr es die Art und Weise war wie auf den Hund eingegangen wurde. In diesem Fall stand unsere Vorsitzende, in Erwartung auf einen durchgeknallten Pitbullterrier zu treffen vor dem Zwinger, konnte aber nur junge fröhliche Hunde ausmachen. Auf die Frage wo den der Hund sei, zeigten alle leicht aufgeregt in eine Ecke zwischen zwei Liegepaletten. Die Augen benötigten tatsächlich zuerst etwas Zeit, um dort überhaupt einen Hund ausmachen zu können, bis wir dieses Häufchen Elend erkannten. Verwirrt darüber das dieser sechs Kilo Hund ein Problem sein sollte, öffnete sie den Zwinger und ging hinein. Nach einer ersten vorsichtigen Berührung fing die Hündin tatsächlich unter Geschrei an um sich zu schnappen. Fixiert am Halsband ging es daraufhin zusammen erst einmal raus und in eine ruhige Ecke des Tierheims. Dort in eine warme Decke eingepackt war bereits nach Sekunden nichts Aggressives mehr an diesem Hund zu erkennen. Mit ein paar erklärenden Worten an die Tierpfleger verließen wir für diesen Tag das Tierheim samt Hund. Auf auf der gesamten Fahrt zu einer privaten Tierklinik war nur ein leises Wimmern aus der Decke zu hören. Dieser kleine Hund musste einfach nur maßlos erschöpft und am Ende seiner Kräfte sein. In der Klinik angekommen gönnten wir der Kleinen erst mal ein Bad, um zu sehen wie aus einem Entlein ein kleiner Schwan wurde. Natürlich wollten wir ihr auch vor einer Untersuchung ein besseres Körpergefühl und sauberes Fell schenken. Die Tierärzte konnten bei der anschließend nur eine leichte Ohrenentzündung feststellen. Alles andere wie Augen, Ohren und sonstiges war ohne Befund. Den restlichen Tag verschlief das Hundemädchen, erschöpft von den Strapazen die sie hinter sich hatte, von diesen wir bis dahin noch nicht die leiseste Ahnung hatten auf der Rückbank unseres Autos. Am Abend als sie gefüttert werden sollte, konnten wir erkennen das sie Probleme hatte aus dem Napf zu fressen. Sie biss in den Rand ihrer Futterschüssel, in den Boden, in unsere Hände, schaffte es letztlich nur, weil wir den Napf festhielten und ihren Kopf direkt über das Futter führen. Von diesem Tag an begleitete das Hundemädchen unsere Vorsitzende über deren gesamten Aufenthalt in der Türkei auf allen weiteren Terminen. Sie schlie in einem weichen Bettchen auf der Rückbank im Auto. Nach ein paar Tagen stoppten wir erneut bei unseren niedergelassenen Tierärzten vor Ort um die Situation mit dem fressen zu besprechen. Keiner konnte sich erklären wo das Problem lag und warum es ihr nicht möglich war, ohne den Kopf über das Futter zu führen, fressen zu können. Auch ihr Gangbild war mehr als auffällig. Wie ein kleines Paradepferd schmiss sie ihre Beinchen beim Laufen in die Luft. Hin und wieder lief sie gegen Möbel oder nahm drei Anläufe um letztlich durch eine weit geöffnete Tür zu laufen. Keiner konnte sich einen Reim darauf machen was der Grund für ihr Verhalten war. Sie verbrachte die Tage bis zu Ihrer Ausreise nach Deutschland mit schlafen und fressen. Dieser kleine Hund war derart erschöpft und schlief auch unterm Tag bis zu 6 Stunden an einem Stück. Bei einer ersten Untersuchung in Deutschland bestätigte sich unsere bis dahin leise Vermutung einer Hirnschädigung. Wodurch hervor gerufen sollte über ein Blutbild geklärt werden. Fürs Erste bekam sie durchblutungsfördernde Medikamente und auch Vitamin B für eine bessere Durchblutung des Gehirns. Schon bald darauf lief sie nicht mehr gegen Möbel oder hatte Probleme durch eine geöffnete Türe zu laufen. Fast wöchentlich kam eine neue positive Veränderung dazu wobei auch die Ruhe die sie nun hatte eine große Rolle dabei spielte. Nur Gassi gehen war die Hölle für sie. Sie fing jedesmal an zu schreien wenn wir draußen waren. Dabei schmiss sie sich auf den Boden und zeigte die gleichen Stresssymptome wie damals als wie sie im Tierheim kennen lernten. Ein laufen an der Leine war überhaupt nicht möglich. Daher wurden die Gassi runden bis auf weiteres gestrichen. Dafür wurde der Garten und die Terrasse, Absturz gesichert. Nur dort war sie zufrieden und entspannt. Sobald ihr etwas gruselig war kam sie ins Haus zurück geflitzt. Die Ergebnisse der Blutuntersuchungen waren niederschmetternt für uns alle. Schädigung des Kleinhirns aufgrund einer unbehandelten Toxoplasmose. Bedeutete die Defekte im Hirn werden für immer defekt bleiben. Auch ihr Herz hatte davon einen Schaden genommen. Eine weitere Untersuchung beim Hundeneurologen bestätigte die Diagnose ein weiteres mal. Dort erklärte man uns weiter das ihr Kleinhirn nur noch zu teilweise arbeitete. Bei Geräuschen schickt ihr Hirn entweder verzögert oder gar keine Informationen was es für Geräusche sind, die sie hörte. Jedes fremde Geräusch an das sie nicht gewohnt ist machte ihr also Angst. Wie zum Beispiel fremde unbekannte Stimmen. Auch mit dem eigentlichen Sehen war es so eine Sache. Unter Stress schickt ihr Gehirn nicht zuverlässig Bilder. Sodas man hier von einer zentralen Blindheit unter Stress sprechen muss. Ihre Augen sind zwar gesund sie bekommt aber keine Bilder oder nicht zuverlässig Bilder übers Kleinhirn geschickt. Sie lebt im Grunde in ihrer eigenen kleinen Welt. Das ihre Gassi runden nun in einem immer gleichen Garten stattfinden, ist für sie kein Problem. Denn sie weiß nicht, dass sie vor einer Stunde bereits in diesem Garten war. Aber sie gewöhnt sich dort an die Umgebungsgeräusche, so das sie von mal zu mal entspannter wurde. Am liebsten ist sie aber noch heute im Haus und schläft noch immer sehr viel. Laut Neurologe sind es die Wände die ihr Sicherheit geben. Das räumliche Sehen funktioniert, wenn sie entspannt ist sehr gut. Wir können es auch an ihrem Verhalten sehen. Wenn sie ihre aktive Stunde hat, dann flitzt sie vor Freude von einem ins anderer Zimmer, macht auch freiwillig einen Abstecher in den Garten und wieder rein ins Haus. Jeder, wirklich jeder, selbst Heidis Fachärzte haben sich in das kleine Mädchen mit dem besonderen Charme verliebt. Durch ihr besonderes Wesen zaubert sie jedem ein Lächeln ins Gesicht. Selbst der Neurologe konnte es nicht lassen im Befund an unseren Haustierarzt zu erwähnen „Von einer Euthanasie bitten wir abzusehen." Der Patient führt durchaus ein glückliches Leben, in seiner eigenen Welt.

Es ist nicht dieser Hund der Glück hatte auf aufmerksame Menschen zu treffen. Vielmehr sind es wir die sich glücklich schätzen, eine solch besondere kleine Seele durch ihr restliches Leben begleiten zu dürfen. Sie lehrt uns täglich ohne es zu wissen. Sie lehrt uns wie dankbar wir alle doch für unsere Gesundheit sein müssen, auch das nichts selbstverständlich ist. Jeden Tag aufs neue ist es schön zu sehen wie glücklich, zufrieden und unbeschwert sie doch ist, auch wenn sie nicht alles versteht oder erleben kann. Sie wurde im Übrigen auf den Namen der Tierpflegerin getauft, welcher sie im Grunde ihr Leben zu verdanken hat. Ihren Lebensabend darf Heidi nun natürlich bei unserer Vorsitzenden samt deren Rudel verbringen.

Zu Heidis Hopiz- und Patenseite geht es >>> Hier

 

 

 

 

Heidi vorher und nachher


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